Am 29. Februar 2004 haben wir beschlossen, die zahlreichen Steuererhöhungen in der Genussmittelbranche nicht länger mit zu tragen. Wir beschlossen Nichtraucher zu werden. Aus dieser spontanen Idee ist ein Kampf geworden, ein Kampf gegen die Uhr, den inneren Schweinehund, aber auch gegen uns selbst.
29. Februar 2004 (Sonntag)
Gestern Abend war eine große Geburtstagsfeier in der Verwandtschaft, dabei haben wir so viel geraucht, dass wir jetzt noch einen pelzigen Film auf der Zunge haben. "Wollen wir nicht einfach mit Rauchen aufhören?" - "Okay! Ab morgen dann." - "Hast Du mal Feuer?!"
30. Februar 2004
Keine einzige Zigarette geraucht. Man ist das einfach! :)
1. März 2004 (Montag)
Heute habe ich meinen Arbeitskollegen erzählt, dass ich nicht mehr rauchen "will". - Und zwar sobald diese Schachtel hier alle ist! Sonst war das alles in allem ein ganz normaler Tag. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich freudestrahlend verkünden kann, dass ich Nichtraucher bin, dass mein Wille stark genug zum Aufhören ist. Ja, das mit dem Aufhören ist eine gute Entscheidung. Ich kann´s kaum erwarten!
2. März 2004 (Dienstag)
Es sind noch drei Zigaretten in der Schachtel. Mist, das reicht doch nicht mehr für morgen. Na dann machen wir eben heute noch mal eine richtige Sause und rauchen den ganzen Rest auf einmal. - Ekelig! Ich weiß gar nicht, warum ich damals angefangen habe zu rauchen. - Die Schachtel ist leer! - Meine Freundin raucht schon seit gestern nicht mehr. Ihre Schachtel war eher leer. Sie sagt: "Das ist ganz einfach. Du musst Dich nur immer ablenken. Nach sieben Jahren Rauchen hätte ich nicht gedacht, dass das so einfach ist!" Ich sage: "Warte nur ab!" Denn ich habe schon mal zwei Jahre nicht geraucht. Ich habe also schon mal aufgehört.
3. März 2004 (Mittwoch)
Warum bloß wollte ich gestern noch mal eine Sause machen?! Wenn ich jetzt wenigstens noch eine von den drei Kippen hier hätte! Eine!!! Aber es geht schon, ich bin stark, ich schaffe das! Chakka! Immer was im Mund haben, das hilft. Also mache ich jetzt erstmal einen Süßigkeiten-Großeinkauf. Vierunddreißig Euro? Für die paar Gummibärchen und Schokotafeln. Egal, ich spar ja jetzt, da ich nicht mehr das böse "R" mache.
4. März 2004 (Donnerstag)
Abends gehen wir jetzt immer länger spazieren. Warum haben wir das früher nicht schon gemacht? - Hach sind die Sterne schön! Und der Mond erst! "David, wollen wir uns nicht noch mal eine Schachtel kaufen? Der alten Zeiten wegen." - "Nein, wir werfen dem Staat schon genug Steuergelder hinterher." - "Stimmt, nie mehr R!" Nach dem Spaziergang lud ich uns heute zum Griechen ein. Man muss seinem Körper schließlich zeigen, dass man auf ihn stolz ist. Er muss belohnt werden. Nach drei Flaschen Wein, unzähligen Ouzo und der Rechnung brauche ich noch einen Spaziergang. Jeezzzzt geeehtzzz mir guuuuth!
5. März 2004 (Freitag)
Alles ist Scheiße! Wofür lebt man eigentlich? Was ist der Sinn des Lebens? Regeln? Gesetze? - Egal, heute Abend ist Party. Ich gehe jetzt erstmal zum Friseur. Und da ich nicht mehr rauche, kann ich mir ja jetzt mal was leisten! "Waschen. Schneiden. Färben! - Bitte." Ich muss meinen Körper schließlich belohnen. Früher habe ich eine Schachtel Zigaretten am Tag geraucht, das Geld habe ich jetzt ja übrig. Auch meine Umwelt sieht mir danach an, dass ich mich geändert habe. Meine Mama sagt, sie sei stolz auf mich! - Dafür lebt man also, oder!?
6. März 2004 (Samstag)
Heute Abend gehen wir zu einem Basketballspiel. Bundesliga. Das wird geil. Zwar haben wir die Karten schon vor einem Monat gekauft, aber meinem Körper verklickere ich, dass das die Belohnung für heute ist. - In der Halbzeitpause stehen wir im Foyer und unterhalten uns mit Freunden. Sie rauchen fast alle. Man sind die ekelhaft. Ich kriege keine Luft mehr. Aber ich bin tapfer, lasse mir nichts anmerken und protze voller Stolz mit unserem Durchhaltevermögen. Meine Freundin findet den Rauch nicht ekelig. Sie fragt mich, ob wir nicht mal eine zur Feier des Tages rauchen wollen. Ich sage: "Nein!!!" Dennoch bettelt sie alle um uns herum nach einer Kippe an. Zum Glück sind das alles auch nur Schlaucher. Wir halten also beide durch.
7. März 2004 (Sonntag)
Tennis. Das ist gut. Wir treiben als Ausgleich etwas Sport. Das tut auch dringend Not, denn dank der vielen Süßigkeiten zeigt meine Waage gegenüber Dienstag drei Kilo mehr an. Also treiben wir eben Sport! Ist das Belohnung für den Körper? Ja vielleicht, wenn wir danach noch lecker Essen gehen. Wie wäre es zum Beispiel mit Griechisch? Aber erstmal Sport.
8. März 2004 (Montag, Frauentag)
Warum fangen Montage eigentlich immer so früh an? Und wieso muss die Sonne tagsüber immer so hell scheinen? - Fragen, die man sich halt nach einem leckeren griechischen Abend so stellt, oder. Aber immerhin haben wir beide unser erstes Wochenende ohne Rauchen durchgehalten. Zumindest ich!!! Denn meine Freundin hat gestern geschwächelt. Sie hat geraucht! Eine? Zwei? Ich weiß es nicht. Ist mir auch egal, sie ist ja nur eine Frau, die sind von Natur aus charakterschwach. Sie sagt: "Ich habe keine gekauft, sondern nur von anderen geschlaucht. Dann rauche ich eben immer mal eine auf einer Party am Wochenende." Ich sage: "Schwachpopel!" - Warum bin ich eigentlich seit Tagen schon so aggressiv? Muss wohl am Wetter liegen, oder so. - Heute kauft sich mein Körper zur Belohnung eine CD.
9. März 2004 (Dienstag)
Wenn der heutige Tag vorüber ist, habe ich eine Woche durchgehalten. Das ist echt einfach! Nur warum sprechen meine Arbeitskollegen nicht mehr mit mir? Etwa nur, weil ich ein wenig aufbrausend bin? Weil ich ständig rede? Nervös? Wer ist denn hier nervös? Ich doch nicht! Immer was im Mund haben! Oh ja, ich habe. Meine Süßigkeiten sind schon wieder alle. Mist, ich brauche neue. Aber woher? Wo war ich früher immer schnell mal zwischendurch Zigaretten einkaufen? Ach an der Tankstelle. Was denn, was denn? Für drei Riegel wollen die hier fast fünf Euro? Na, dann ist das eben heute die Belohnung für meinen Körper! Da hast Du! Du, du, du...
10. März 2004 (Mittwoch)
Jetzt ist es offiziell, oder?! Ich bin Nichtraucher!!! Wer eine Woche durchhält, der hält auch ein Leben lang durch! - Also ziehen wir mal Bilanz: Ich rauche nicht mehr. Mein Körper gesundet nach und nach, durch lange Spaziergänge an der frischen Luft. Ich werfe dem Staat kein Geld mehr für meine Sucht in den Rachen. Ich spare mir diese Ausgabe! Dafür gebe ich jetzt ca. fünf Euro täglich für Süßigkeiten aus und noch mal fünf, um meinen Körper zu belohnen. Keiner kann mich noch leiden, da ich mich manchmal etwas im Ton vergreife und vor allem Raucher offiziell angreife. Dafür ist der Grieche von nebenan jetzt mein bester Freund! Weshalb ich wohl bald all meine Sachen dem Roten Kreuz spenden muss, denn inzwischen sind es schon fünf Kilo mehr, laut Waage. Meine Freundin hat gemeinsam mit mir aufgehört mit Rauchen, außer gestern, da hat sie sich zur Feier des Tages mal eine Schachtel gekauft.
Und hier nun, meine ultimativen Tipps zum Thema, wie werde ich Nichtraucher.
1. Immer gemeinsam aufhören, im Team ist´s leichter.
2. Immer was im Mund haben, dann kommt es Dir nicht so vor, als würde etwas fehlen.
3. Belohne Deinen Körper täglich für seine Stärke.
4. Wehre Dich gegen Angebote wie: "Nur mal Eine.", "Zur Feier des Tages." und "Der alten Zeiten wegen!."
Und zu guter Letzt solltest Du Dir, wenn Du dann einmal Nichtraucher bist, merken: Akzeptiere Dich so wie Du bist, mit all Deinen neuen Eigenschaften. Denn pensionierte Raucher sind nun mal dick, verarmt, streitsüchtig und intolerant. So sind sie, alle und ich bin einer von Ihnen! Ich bin einer von uns! - ODER?
David
Die KABCOMS
Anmerkung vom 03.04.2004 (Webmaster):
Wen andere Wege interessieren, um das leidige Rauchen sein zu lassen, findet unter der Webseite www.Rauchfrei2004.de hilfreiches, um der krankhaften Sucht ein Ende zu bereiten. An dieser Stelle vielen Dank an Herrn David Martini vom Koordinationsbüro "Rauchfrei 2004" (WHO Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle, Deutsches Krebsforschungszentrum DKFZ) für den Link-Tipp und sein Interesse.
Um die bestehenden Verherrlichungen bezüglich der Person David Weiblein zu mindern, gebe ich als Webmaster folgendes bekannt: Herr Weiblein raucht wieder!
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